Haltung von Fruchttauben (Columbidae - Treroninae)

Prachtfruchttaube im Zoo Augsburg Prachtfruchttaube im Zoo Augsburg © Zoo Augsburg

RUSKE (2008)  gibt aufrgrund seiner umfangreichen Untersuchungen bei insgesamt 21 Privarhaltern und Zoos für Fruchttauben der Gattung Ptilinopous folgende Empfehlungen ab:

 

Fütterung

1. Grundfutter
Soweit wie möglich sollte süßes, saftiges, wenig säurehaltiges weiches ( aber nicht matschiges), kräftig gefärbtes Obst gefüttert werden. Gut geeignet sind besonders Mango und die verschiedensten Beeren. Wo vorhanden, sollten eigene Gartenfrüchte gefüttert werden. Banane ist ein gutes Futtermittel, sollte aber auf die Brut und Jungenaufzuchtzeit beschränkt und separat gefüttert werden ( eigener Futternapf): Zitrusfrüchte und Äpfel sollten nicht Hauptfutter sein. Das Verfüttern von Früchten der Birkenfeige kann ein interessante Bereicherung sein. Bis auf gekochte Karotten als Farbstofflieferant und Vitamin- A- Quelle besteht keine Notwendigkeit zum Füttern von Gemüse.

2. Weitere Futtermittel
Als geeignete Proteinquelle hat sich Tofu herausgestellt. Während der Jungenaufzucht wirken sich gehäutete Mehlwürmer positiv aus.

3. Futtermischungen
Wird oben beschriebene Fütterung in hoher Qualität praktiziert, bedarf es keiner zusätzlichen Pelletfütterung. Wenn trotzdem auf den Energie- und Protein- Lieferant T 16 nicht verzichtet werden soll, dann höchstens als gelegentliche Beigabe, keinesfalls als Haupt- oder gar Alleinfuttermittel. Gleiches gilt für Tropical Patee.

4. Zusatzstoffe
Zusätzliche Vitamingaben sind nicht schädlich, Mineralstoffe sogar nötig. Daher können sie in kleinen Mengen täglich zugesetzt werden.

5. Stückgröße
Futter in der Stückgröße 0,8 cm- 1, 0 cm Kantenlänge der zugeschnittenen Würfel scheint den optimalen Kompromiß zwischen guter Aufnahmegröße und längsthaltbarer Konsistenz darzustellen. Weder sollten die Stücke kleiner, aber auch nicht größer sein.

6. Futtertemperatur
20 ° C beim Verfüttern sollten gewährleistet werden. Frische Zubereitung ist immer empfehlenswert. Wird das Futter aus dem Kühlschrank entnommen, sollte es kurz
stehengelassen werden, um es vor dem Verfüttern Zimmertemperatur annehmen zu lassen.

7. Vielfalt der Futtermittel gesamt
Der Lebensweise und der dieser zugrunde liegenden Fülle an Nahrungsarten angemessen, sollte das Futtersortiment so divers wie möglich sein. Innerhalb der Futterzusammensetzung sollte kein Futtermittel zu stark dominieren, damit wirklich breit ausgewählt werden kann, egal wann die einzelne Taube zur Futterstelle kommt.

8. Anzahl der Fütterungen
Läßt es sich einrichten, so sind mindestens zwei Fütterungen pro Tag zu empfehlen. Das Futter ist dann meist noch frischer, und es kann besser dosiert werden.

9. Tränkwassers
Aufgrund de geringen Bedeutung von Tränkwasser reicht einmaliges tägliches Wechseln desselben aus. Eine Behandlung des Tränkwassers scheint nicht nötig zu sein.

 

Unterbringung, Einrichtung, Gehegeunterhalt

10. Gehege
Große Flughallen sind für Fruchttauben eher ungeeignet. Lanschafschaftsvolieren bis 60 qm Größe, möglichst ohne Glasabsperrung, sind anzustreben. Diese sollten durch kleinere Zuchtvolieren ergänzt werden.

11. Außenvolieren
Außenvolieren sollten vorhanden sein. Ganztägiger Zugang kann im Sommer bei ausreichender Sicherung gegen Räuber gewährt werden. Unter Aufsicht kann im Winter an
trockenen, sonnigen Tagen ebenfalls kurz Ausflug gestattet werden.

12 Gemeinschaftshaltung

Gleichfarbige und gleichgroße Vogelarten sollten als Volierenpartner von Fruchttauben vermieden werden, wobei sich hier an der Farbe der Täuber zu orientieren ist. Ansonsten scheinen sich insbesondere Prachtfinken zu eignen. Eine Vergesellschaftung mit Körnerfressern und Bewohnern anderer Raumzonen senkt zusätzlich das Konfliktpotential.

13. Publikumsverkehr
Publikumsverkehr scheint ein Schlüsselfaktor zu sein, der den Haltungserfolg deutlich beeinflussen kann. Schauhaltungen sollten nach Möglichkeit Zuchträume hinter den Kulissen vorhalten.

14. Absperrung, Maschenweite/ form
Gitter ist hier die Absperrungsform der Wahl. Die Maschenweite kann mit 1,2- 1,5 cm empfohlen werden. Die quadratische Maschenform hat sich am meisten bewährt.

15. Futterplatz
In 1,20 m Höhe sind die Futterplätze unter Abwägung aller Faktoren am ehesten zu empfehlen. Der Futterplatz sollte an einer hellen Stelle eingerichtet werden. Die Futternäpfe sollten sich direkt an der Innenseite der Pflegertür oder in unmittelbarer Nähe befinden, um Störungen zu minimieren. In der Schauhaltung muß ein möglichst taubenverträglicher Kompromiß zwischen Störungsarmut und Besucherpräsentation gefunden werden. Empfehlenswert sind Futterstellen, die vom Besucherweg einsehbar und von dort vom Pfleger schnell erreichbar sind ( wie im VOGELPARK WALSRODE).

16. Einsatz von Anflughilfen
Anflughilfen sollten eingesetzt werden, da sie den Komfort der Futteraufnahme erhöhen und sie dadurch verbessern, und das Futter so sauberer bleibt, als wenn die taube direkt im oder auf dem Napf sitzen muß.

17. Bodenniveau der Anlage
Das Bodenniveau entspricht am besten dem raumüblichen.

18. Bepflanzungsdichte der Volieren
Ein bis zwei Pflanzen pro qm sind als gut praktikabel einzustufen. Sie schaffen genug Versteckmöglichkeiten, lassen aber auch genug Flugmöglichkeiten frei.

19. Bodensubstrate in den Anlagen
In Zuchtvolieren und hinter den Kulissen ist Steinfußboden ( oder anderes glattes Material) zu empfehlen. Ebenso haben sich Buchenholzgranulat und im Schaubereich Rindenmulch bewährt.

20. Nisthilfen
Als Nisthilfen haben sich Bast- und Plastekörbchen am besten bewehrt. Manche Arten müssen mit Geflechten an den von ihnen ausgesuchten Stellen unterstützt werden. Als
Nistmaterial sollten Birkenzweige und trockene Blätter angeboten werden. Die Nistgelegenheiten können mit Moos ausgepolstert werden. Die Volierenbepflanzung schafft
ein natürliches Angebot an Nistmaterial. Das Höhenspektrum zwischen 1,50m und 2,40m scheint für Nisthilfen empfehlenswert. Die Entfernung der Nisthilfe zur Pflegertür sollte maximal sein. In Schauhaltungen muß mit gleicher Prämisse die Schauseite in die Positionierungsüberlegung miteinbezogen werden, was zu einem Kompromiss führt. Die Zahl der Nisthilfen pro Brutpaar sollte >= 3 betragen.

21. Vorhandensein einer Beregnungsanlage
Die Einrichtung einer automatischen Beregnung, die täglich eingesetzt und im Idealfall mit auf 25 °C temperierten Wasser betrieben wird, ist anzustreben.


Reinigung

23. Reinigung der anöage
Zweimal die Woche sollte die Voliere gereinigt werden, die speziellen Kotplätze täglich. Die Nestnähe sollte während der Brutzeit gemieden werden. Es spricht keine Tendenz in den Ergebnissen gegen den Einsatz von Reinigungsmitteln in der Voliere. Dies kann 1-2 x im Jahr geschehen.

17. Reinigung der Futtergefäße
Ein einmaliges Reinigen der Futtergefäße pro Tag hat sich als ausreichend erwiesen. Ein Reinigungsmittel für die Futtergefäße schadet den Tieren nicht, wenn gut mit klarem Wasser nachgespült wird, und hat sich bei den erfolgreichen Haltern bewährt und weitgehend durchgesetzt.

 

Klima, Licht

24. Raumtemperatur
20 °C sollten im Durchschnitt gesichert sein. Tiefer als 18 °C sollte die Temperatur, und auch dann nur zwischenzeitlich, nicht absinken. Die Heizung sollte kontinuierlich laufen, wenn dies zum Halten der Temperatur nötig ist (keine hohen Schwankungen zulassen!). Konvektoren können bedenkenlos eingesetzt werden.

25. Luftfeuchtigkeit
Eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60- 75 % ist zu gewährleisten.

26. Beleuchtung
Neben herkömmlichen Leuchtmitteln sollten UV- Strahler und Lampen zum Einsatz kommen, die den Vögeln in den Innenräumen arteigenes Farbsehen bei ausreichender Lichtpulszahl ermöglichen. 13 h Helligkeit sollten zu jeder Jahreszeit für die Tiere ermöglicht werden.

 

Medikamenteneinsatz

27. Bei Beachtung obiger Empfehlungen sollte eigentlich keine Medikation nötig sein. Zumindest kann auf prophylaktische Gaben verzichtet werden.

 

PD - 31.07.2016